Pilsner Urquell: Zu Besuch beim ersten Pils der Welt
Bierrevolte, ein Braumeister aus Bayern und neun Kilometer Keller: Ich war mit Freunden bei der Werksführung von Pilsner Urquell in Pilsen. Das hat uns die Führerin erzählt.
Ende Oktober war ich mit ein paar Freunden in Pilsen und wir haben bei der Werksführung der Pilsner Urquell Brauerei mitgemacht. Ich hatte mit einer netten Brauereibesichtigung gerechnet. Was ich nicht erwartet hatte: wie riesig dieses Gelände ist. Da fährt man mit dem Bus von einer Station zur nächsten, steigt in einen Aufzug für über 70 Leute und läuft am Ende durch Keller, die kilometerlang unter der Stadt verlaufen. Hier kommt mein kleiner Bericht, mit allem, was uns die Führerin unterwegs erzählt hat.
Die Geschichte des Pils beginnt mit schlechtem Bier. Bis ins 19. Jahrhundert durften in Pilsen viele Bürger selbst brauen. Jeder hatte seine eigene Rezeptur, und ob das Bier gut wurde, hing ganz vom Talent und der Erfahrung des Brauers ab. Dazu kam die Hygiene, die damals ein großes Thema war. Gebraut wurde obergäriges Bier, das nicht lange haltbar war. Die Qualität wurde immer schlechter.
1838 war das Maß voll: Vor dem Rathaus wurden 36 Fässer Bier ausgeschüttet, weil man es für ungenießbar erklärt hatte. Eine echte Bierrevolte. Danach haben sich die rund 250 brauberechtigten Bürger zusammengetan und beschlossen, eine gemeinsame Brauerei zu bauen, das Bürgerliche Brauhaus. Dort sollte endlich gutes Bier entstehen, und zwar nach bayerischer Art: untergärig, langsam und bei niedrigen Temperaturen vergoren, und dadurch deutlich länger haltbar.
Für das neue Bier holten sich die Pilsner einen Fachmann aus Bayern: den Braumeister Josef Groll aus Vilshofen bei Passau. Er war damals gerade mal 29 Jahre alt und soll ein ziemlicher Hitzkopf gewesen sein. Am 5. Oktober 1842 braute er seinen ersten Sud. Weil er das sehr weiche Pilsner Wasser, den Saazer Hopfen und ein nur leicht gedarrtes, helles Malz benutzte, kam etwas heraus, womit niemand gerechnet hatte: das erste helle, goldene Lagerbier der Welt. Im November 1842 wurde es zum ersten Mal in Pilsner Gasthäusern ausgeschenkt.

Das neue Bier war schnell in aller Munde. 1859 wurde die Marke „Pilsner Bier“ eingetragen, 1898 kam die Schutzmarke Pilsner Urquell dazu. „Urquell“ soll klarstellen: Hier ist das Original. Im Film während der Führung hieß es, dass sogar der Kaiserhof in Wien beliefert wurde. Heute geht das Bier in mehr als 50 Länder. Und die Pils-Brauart hat sich so weit verbreitet, dass heute mehr als zwei Drittel des weltweit getrunkenen Biers helles Lagerbier nach Pilsner Vorbild ist.
Gleich am Anfang sieht man übrigens zwei Wahrzeichen der Brauerei: das große Tor von 1892 mit den Jahreszahlen 1842 und 1892 und den Wasserturm von 1907. Der erinnert mit seiner Form an einen Leuchtturm und steht heute unter Denkmalschutz.

Erste richtige Station war die Abfüllhalle, zu der wir mit dem Bus gefahren sind. Laut unserer Führerin wurde die Halle in nur sieben Monaten gebaut. Hier wird nicht nur Pilsner Urquell abgefüllt, sondern auch andere Marken aus dem Haus, zum Beispiel Gambrinus. Die große Flaschenlinie schafft nach Angaben der Brauerei bis zu 120.000 Flaschen pro Stunde. Wenn man davorsteht, glaubt man das sofort: Die Flaschen rauschen nur so an einem vorbei.

Das Prinzip ist bei allen Verpackungen ähnlich. Die Mehrwegflaschen kommen zurück, werden in einer großen Waschanlage gereinigt und danach kontrolliert. Erst dann werden sie befüllt, verschlossen, getrocknet und etikettiert. Spannend fand ich, was die Führerin über die Pfandflaschen erzählt hat: Eine Flasche hält etwa sieben bis acht Jahre und geht in dieser Zeit rund 26 Mal durch die Anlage, bevor sie aussortiert wird. In Tschechien setzt Plzeňský Prazdroj nach eigenen Angaben inzwischen bei mehr als 70 Prozent seines Sortiments auf Mehrweg, also auf Pfandflaschen und Fässer.
Zurück im Besucherzentrum ging es mit dem größten Personenaufzug Tschechiens nach oben. In die Kabine passen laut Führerin bis zu 72 Personen. Oben wartet ein Panoramakino, in dem ein kurzer Film die Geschichte der Brauerei erzählt. Danach ging es um die Zutaten, und die sind seit 1842 dieselben geblieben:

Das Herz der Brauerei sind die Sudhäuser. Im historischen Sudhaus stehen die kupfernen Sudpfannen von 1931, und ausgestellt ist sogar noch ein Braukessel aus dem Gründungsjahr 1842. Daneben gibt es ein modernes Sudhaus von 2004, das 2018 noch einmal erweitert wurde.

Das Besondere am Brauverfahren ist das sogenannte Dreimaischverfahren. Dabei wird ein Teil der Maische dreimal abgezogen und in Kupferpfannen mit direktem Feuer gekocht. Das ist teuer, kompliziert und dauert lange. Aber genau dadurch bekommt das Bier seinen leichten Karamellgeschmack, die goldene Farbe und den dichten, cremigen Schaum. Trotz aller modernen Technik, hieß es, wird nach demselben Rezept gebraut wie damals.

Der beste Teil kam zum Schluss: die historischen Keller. Für untergäriges Bier braucht man Kälte, deshalb war schon beim Bau der Brauerei der Untergrund wichtig. Der Boden besteht aus Sandstein und eignet sich gut für Keller. Die Gänge wurden von Hand gegraben, laut Führerin rund 70 Jahre lang. Heute sind sie etwa neun Kilometer lang. Unten ist es richtig kühl, also nehmt auf jeden Fall eine Jacke mit.

Wie hat man die Keller früher gekühlt? Mit Eis. Im Eiskeller, dem höchstgelegenen Raum des Kellersystems, wurde im Winter gewonnenes Eis gelagert. Laut Führerin hielt es bis zu zwei Jahre. Heute wird natürlich künstlich gekühlt.

Bis Anfang der 1990er-Jahre ist das ganze Pilsner Urquell hier unten in offenen Holzbottichen gegoren und in Eichenfässern gereift. Ganz aufgegeben hat die Brauerei das nicht: Eine kleine Menge wird bis heute auf die alte Art hergestellt, mit Fässern, die die eigenen Böttcher bauen. So kann man das moderne Bier immer wieder mit dem traditionellen vergleichen und sicherstellen, dass sich der Geschmack nicht verändert.

Und dann gab es endlich Bier. Zum Abschluss der Führung wird im Keller ungefiltertes und unpasteurisiertes Pilsner Urquell direkt aus dem Eichenfass gezapft. Das schmeckt deutlich anders als das Bier aus der Flasche, und genau so bekommt man es nur hier unten. Ein schöner Abschluss für eine lange Runde übers Gelände.

Was ich aus Pilsen mitnehme: Hinter einem Bier, das man im Supermarkt einfach so aus dem Regal nimmt, steckt eine richtig spannende Geschichte. Und das ganze Pils der Welt hat mit ein paar wütenden Bürgern angefangen, die ihr schlechtes Bier vor dem Rathaus ausgekippt haben. Wenn ihr mal in der Gegend seid, kann ich euch die Führung nur empfehlen. Und lasst euch Zeit, das Gelände ist größer, als man denkt.

Hättet ihr gedacht, dass euer Feierabend-Pils einen bayerischen Erfinder hat? Ein Video von der Führung erscheint in den kommenden Monaten auf YouTube. Sobald es online ist, findet ihr es hier im Artikel.
Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen.
Edelreudige Grüße, euer Felix
KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Grundlage meiner Tonaufnahme der Führung überwiegend mit KI formuliert. Grundlage war das automatische Transkript, Aussagen der Führerin sind sinngemäß wiedergegeben. Zahlen und Jahreszahlen wurden mit Angaben der Brauerei und weiteren Quellen abgeglichen. Angaben, die nur aus der Führung stammen, sind als solche gekennzeichnet. Die Fotos und Standbilder aus Videos hat Felix Harsdorff bei der Führung aufgenommen, Gesichter anderer Personen sind unkenntlich gemacht.
Pilsner Urquell Brauereiführung (offizielle Seite):
https://www.prazdrojvisit.cz/en/tours/prohlidka-pilsner-urquell/
Pilsner Urquell auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pilsner_Urquell
Josef Groll auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Groll
Text von
Felix Harsdorff
Bilder von
Felix Harsdorff
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