Lebenskünstler als Beruf: Bennis Leben mit wenig Geld und viel Zeit
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Lebenskünstler als Beruf: Bennis Leben mit wenig Geld und viel Zeit
Gymnasium nach sechs Wochen abgebrochen, Nachtschichten im Wachdienst, Winter am Skilift in der Schweiz und ein Sprinter statt Miete: Benni lebt bewusst als Lebenskünstler. Seine Geschichte aus dem Edelreudig-Podcast.
Benni ist einer der wenigen Menschen, die ich kenne, die sich selbst ganz entspannt als Lebenskünstler bezeichnen. Wenig Geld, viel Zeit, immer eine Idee, wie man irgendwo wieder etwas verdienen kann – vom Gelegenheitsjob bis zum Trading. Im Edelreudig-Podcast haben wir bei Kuchen und offenem Hosenknopf darüber gesprochen, wie das wirklich ist, so zu leben. Und am Ende auch darüber, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen könnte.
Sechs Wochen Gymnasium – mit Absicht
Benni hat den Hauptschul- und den Realschulabschluss gemacht und sich danach am Gymnasium angemeldet. Nach sechs Wochen, genau bei der ersten Mathearbeit, hat er sich wieder abgemeldet. Mit 18 durfte er das selbst. Er sagt, er sei eigentlich nur hingegangen, um abzubrechen, damit in seinem „Lebenskünstler-Lebenslauf“ klar steht, wie wenig Wert er auf einen Lebenslauf legt. Schon bei seinem ersten Praktikum mit 13 hatte er gemerkt: Die klassische Arbeitswelt wird schwierig für ihn, er muss einen anderen Weg finden.
Seine Eltern hatte er vorher gewarnt. Sein Vater meinte, er habe es von Anfang an gewusst. Seine Mutter war überrascht, dass er es wirklich durchzieht, und gab ihm einen klaren Satz mit: Mach, was du willst, aber kriege dein Leben auf die Reihe. Genau das, sagt Benni, war immer sein Ziel – eigene Wege gehen, ohne andere damit zu belasten.
Heute ist er froh über die Freundschaften aus der Schulzeit. Seine Kritik bleibt: zu wenig Wahlfreiheit, zu wenig Raum für Kreativität.
Nachtschicht im Revierdienst
Nach einem halben Jahr Pause bekam Benni einen Job im Bewachungsgewerbe. Als Revierfahrer fuhr er nachts Firmen, Tanklager und Militärgelände ab, machte Verschlussrunden, prüfte Türen und Alarmanlagen. Für einen 18-Jährigen ohne Ausbildung gab es dank der Nachtzuschläge ein richtig gutes Gehalt.
Nach eineinhalb Jahren merkte er: Den Job könnte er ewig machen. Aber er wollte noch etwas von der Welt sehen. Die nächste Steigerung hieß Schweiz.
Arbeitsplatz auf 2.000 Metern: So ähnlich sah Bennis Alltag am Lift aus. KI-generiertes Bild (Canva)
Mit dem Snowboard zur Arbeit
Sein erster Wohnort in der Schweiz war Saas-Fee im Wallis. Er wohnte auf rund 2.000 Metern, fuhr mit Ski oder Snowboard zur Arbeit und sah jeden Morgen den Sonnenaufgang auf 3.000 Metern. Genau deshalb wollte er dorthin: einmal mit dem Brett zur Arbeit fahren.
Der Job am Lift ist mehr als Herumsitzen. Morgens werden die Sessel eingehängt, dann folgen Sicherheitschecks und Probefahrten. Tagsüber passt man auf, dass niemand stürzt oder mit dem Ski hängen bleibt, und stoppt notfalls die Anlage. Benni ist überzeugt, dass er so einige Knie gerettet hat. Unfälle mit Helikoptereinsatz gab es in der Hauptsaison trotzdem fast täglich.
Und dann waren da die Lawinensprengungen. Zweimal hat Benni eine ausgelöste Lawine aus nächster Nähe erlebt und sich rechtzeitig in eine Schutzhütte gerettet. Sein Rat: bloß nicht nachmachen. Vor dem Schnee kommt eine Druckwelle, und dann ist es zu spät.
Später arbeitete er ein Jahr in Zermatt. Dort merkte man laut Benni schon deutlich, dass die Saisons kürzer werden und die Gletscher schmelzen.
Ein Sprinter statt Miete
Zwischen Saas-Fee und Zermatt reiste Benni ein halbes Jahr mit seinem Auto durch Europa. Mit 19 hatte er sich einen sieben Meter langen Mercedes Sprinter gekauft. Nicht, um #vanlife zu machen, sondern ganz pragmatisch: keine Miete mehr zahlen, weil das nun mal die größte Ausgabe im Monat ist.
Nach Zermatt wollte er backpacken, ohne Rückflug und ohne Enddatum. Er fuhr zurück nach Deutschland, um seinen Reisepass zu beantragen – und dann kam Corona. Statt um die Welt ging es in Touren durch Deutschland, zu vielen neuen Freunden und für einen Sommer an den Strand in Kroatien. Geplant waren zwei Wochen, es wurden drei Monate. Unverhofft kommt oft, sagt Benni, und das gehört für ihn zum Lebenskünstler-Leben dazu: Man muss lernen, mit der Ungewissheit umzugehen. Dann wird sie spannend statt anstrengend.
Brot, Marmelade, ein Kürbis: Mehr braucht es bei Benni oft nicht. KI-generiertes Bild (Canva)
Genügsam, aber nicht geizig
Hier musste ich nachhaken. Ich hatte selbst schon Zeiten mit sehr wenig Geld, und ehrlich gesagt: Ohne Geld ist es einfach Mist. Und mich stört, wie dieses Leben in Dokus und auf YouTube oft glorifiziert wird.
Benni sieht das ähnlich. Ein echtes „Gammlerleben“ hat er nach eigener Aussage nur einmal bewusst ausprobiert, ansonsten war sein Konto immer gedeckt. Sein Fazit: wirklich nicht toll. Geld war für ihn nie Selbstzweck, sondern der Weg zu Unabhängigkeit: selbst entscheiden, wie lange man Urlaub macht, ohne für Geld arbeiten zu müssen. Bei seinen Jobs hat er nach eigener Rechnung meist rund 80 Prozent zurückgelegt.
Wer bei ihm den Kühlschrank öffnet, findet trotzdem nicht viel. Als ich einmal zum Frühstück kam und Brötchen mitbrachte, gab es dazu Marmelade und Butter. Mehr nicht. Benni ernährt sich vegetarisch, möglichst regional und saisonal und hält nichts von Gerichten mit zehn Zutaten: Für Brot brauche es Mehl, Wasser und Salz, für eine Kürbissuppe Kürbis und vielleicht Kokosmilch. Seine „Königsdisziplin“: essen, worauf man wirklich Lust hat, statt zu kochen, was eben gerade da ist.
Geizig sei das nicht, sagt er. Er unterscheidet zwischen Geiz und Effizienz. Ihm geht es darum, den besten Preis für etwas zu bekommen, das er wirklich braucht – das habe er vom Trading im Kopf. Wenn er Lust auf etwas hat, gönnt er es sich.
Von der Kaffeemaschine zur Börse
Mit 16 hat Benni Kaffeemaschinen gekauft, repariert und weiterverkauft, aber schnell gemerkt, dass die Marge zu klein ist. Mit 17 fing er an, mit einem Demokonto an der Börse zu üben, ohne zu wissen, was eine Börse überhaupt ist. Jahr für Jahr las er sich ein. Nach seiner Darstellung hat er grob ein Drittel seiner Einkünfte angelegt, ein Drittel „erlebt“ und ein Drittel als Reserve behalten. Von 2017 bis 2020 habe er so alles, was er je an Gehalt verdient hatte, verdoppelt. Von diesen Reserven lebt er bis heute. 2020 zog er sich zurück: Er hatte erreicht, was er wollte, und wollte dem Geld nicht weiter hinterherrennen.
Das ist seine Geschichte, kein Tipp zum Nachmachen – Trading kann genauso gut Verluste bringen. Was ich aber spannend finde, ist seine Frage dahinter: Was mache ich, wenn ich mein Ziel erreicht habe? Viele werden an der Börse gierig, wollen immer mehr und wissen am Ende gar nicht mehr, wofür. Benni wollte nie Luxus, sondern Freiheit.
Selbstbedienungskasse oder Plausch an der Kasse?
Am Ende sind wir bei einem Thema gelandet, über das wir uns schon öfter gestritten haben: Digitalisierung. Benni ist da ein echter Befürworter. Er findet es gut, wenn eintönige Jobs wie an der Supermarktkasse von Maschinen übernommen werden, damit Menschen etwas Sinnvolleres machen können. Ich halte dagegen: Für viele ist der kurze Plausch an der Kasse einer der wenigen Kontakte am Tag. Wenn wir gar nicht mehr rausmüssen, Essen liefern lassen und uns mit KI-Freunden unterhalten, verlernen wir irgendwann, miteinander umzugehen.
Bennis Antwort: Die Digitalisierung ist nicht per se schlecht, es kommt darauf an, was wir daraus machen. Und damit die Wertschöpfung von Robotern bei den Menschen ankommt, brauche es politische Lösungen, zum Beispiel eine Robotersteuer oder Abgaben, mit denen Umschulungen finanziert werden.
Sein Wunsch für die nächsten 20 Jahre
Zum Schluss wollte ich wissen, was Benni sich wünscht. Seine Antwort: dass jeder Mensch für sich herausfindet, was er eigentlich will und was er der Welt und dem Gemeinwohl hinterlassen möchte. Wenn das jeder für sich beantwortet, könne es eigentlich nur besser werden.
Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen. Edelreudige Grüße, euer Felix
Die ganze Folge
Das komplette Gespräch hört ihr im Edelreudig-Podcast, Folge #12 „Lebenskünstler als Beruf – Minimalistisch, Genügsam und Erfüllt“ (Länge: rund 65 Minuten).
KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Grundlage des Podcast-Gesprächs überwiegend mit KI formuliert. Grundlage war das automatische Transkript der Folge, Aussagen sind sinngemäß wiedergegeben. Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generiert (Canva) und zeigen nicht Benni, sein Auto oder die tatsächlichen Orte, sondern illustrieren die Geschichte. Die Aussagen zu Geldanlage und Trading geben Bennis persönliche Erfahrungen wieder und sind keine Anlageberatung.
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