Podcasts seit 2023: Wer verdient, wer hört auf?
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2.11.2026
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Podcasts seit 2023: Wer verdient, wer hört auf?

Immer mehr Menschen hören Podcasts, immer mehr schauen sie sogar. Gleichzeitig schläft der Großteil aller Shows wieder ein. Ich habe mir angeschaut, was sich seit 2023 getan hat: Formate, Video, Geld und warum so viele aufhören.

Jeder kennt inzwischen jemanden, der einen Podcast hat. Und wenn nicht, dann ist man es wahrscheinlich selbst. Ich zähle mich da ganz klar dazu: Mit Edelreudig sitze ich seit ein paar Jahren regelmäßig mit Gästen am Mikro und quatsche über Lebenswege, Leidenschaften und alles, was dazwischen passiert.

Gleichzeitig höre ich ständig zwei Sätze, die sich eigentlich widersprechen. Der eine: „Podcasts sind tot, die Luft ist raus.“ Der andere: „Jeder macht jetzt einen Podcast.“ Was stimmt denn nun? Ich wollte es genau wissen und habe mir angeschaut, was seit Anfang 2023 in der Podcast-Welt passiert ist. Welche Formate laufen und warum? Wer verdient Geld damit? Und warum hören so viele wieder auf? Kurze Antwort vorweg: Beides stimmt ein bisschen. Die lange Antwort kommt jetzt, mit Zahlen und Quellen.

2023: Die große Katerstimmung

Wer 2023 in die Branche geschaut hat, konnte schon ins Grübeln kommen. Im Juni 2023 hat Spotify rund 200 Stellen gestrichen, vor allem im Podcast-Bereich, und die zugekauften Studios Gimlet und Parcast zusammengelegt. Ein paar Jahre vorher hatte die Firma noch Hunderte Millionen in Podcasts gesteckt. Auch beim Geld lief es zäher: In den USA, dem größten Podcast-Markt, wuchsen die Werbeeinnahmen mit Podcasts 2023 laut dem Branchenverband IAB nur noch um 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Vorher gab es jahrelang zweistellige Sprünge.

Und in Deutschland? Da trat die Nutzung auf der Stelle. Laut der ARD/ZDF-Medienstudie hörten 2022 rund 30 Prozent der Menschen ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche Podcasts, 2023 und 2024 waren es jeweils 29 Prozent. Nach dem großen Boom der Corona-Jahre sah das nach einem Plateau aus.

Gitarrist Nikolai Voigt und Felix Harsdorff lachen bei einer Podcast-Aufnahme vor zwei Mikrofonen
Nikolai Voigt (links) und ich bei der Aufnahme von Edelreudig-Folge #11. Foto: Felix Harsdorff

2025: Plötzlich geht es wieder hoch

Dann kam 2025 und mit ihm ein Sprung nach Jahren der Stagnation. Der Anteil der wöchentlichen Podcast-Hörerinnen und -Hörer stieg von 29 auf 34 Prozent. Das sind rund 23,8 Millionen Menschen in Deutschland, 3,2 Millionen mehr als im Jahr davor. An einem durchschnittlichen Tag erreichen Podcasts inzwischen 14 Prozent der Bevölkerung, und im Schnitt hört jeder ab 14 Jahren zwölf Minuten pro Tag.

Spannend finde ich, wer da neu dazukommt. Bei den 30- bis 49-Jährigen ging es um fünf Prozentpunkte auf 46 Prozent hoch, und auch bei den Älteren: Von den ab 70-Jährigen hören inzwischen 14 Prozent jede Woche Podcasts. Podcasts sind also längst kein Ding mehr nur für junge Großstädter mit Kopfhörern.

Balkendiagramm: Anteil der wöchentlichen Podcast-Nutzer in Deutschland von 2021 bis 2025, von 28 auf 34 Prozent
Wöchentliche Podcastnutzung in Deutschland (ab 14 Jahren). Quelle: ARD/ZDF-Medienstudie 2025, Grafik: felize.com

Podcasts zum Gucken

Der vielleicht größte Wandel der letzten Jahre: Podcasts werden geschaut. Im Februar 2025 hat YouTube verkündet, dass mehr als eine Milliarde Menschen pro Monat Podcast-Inhalte auf der Plattform nutzen. Allein auf Fernsehern im Wohnzimmer wurden 2024 jeden Monat über 400 Millionen Stunden Podcasts geschaut. In den USA ist YouTube laut Edison Research inzwischen der Dienst, den wöchentliche Podcast-Hörer am häufigsten zum Hören nutzen, nämlich 33 Prozent von ihnen.

In Deutschland sieht es ähnlich aus. Laut dem Online-Audio-Monitor 2025 schauen etwa vier von zehn regelmäßigen Podcast-Hörern auch Podcasts mit Video, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar sechs von zehn. Spotify zieht nach: Seit Ende April 2025 können sich auch Podcaster aus Deutschland für das Spotify Partner Program bewerben, das vor allem Video-Podcasts belohnt.

Für Leute wie mich heißt das: Ein gutes Mikro reicht oft nicht mehr. Da stehen jetzt Kameras, Licht und ein schönes Set. Bei Edelreudig nehme ich auch Video auf, und ich kann euch sagen, das ist locker doppelt so viel Arbeit wie nur Ton. Kamera einrichten, Licht, Schnitt, Thumbnail, Shorts … Der Aufwand ist explodiert.

Welche Formate laufen und warum

Ein Blick auf die Spitze: Die meistgehörten Podcasts in Deutschland auf Spotify waren 2025 laut dem Jahresrückblick „Gemischtes Hack“ mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt, der True-Crime-Podcast „Mordlust“ und „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“ mit Bill und Tom Kaulitz. Das passt zur ARD/ZDF-Medienstudie, die Comedy und True Crime als besonders wichtige Genres nennt. Dahinter gewinnen Nachrichten an Bedeutung, und laut Online-Audio-Monitor ist Politik und Gesellschaft sogar das beliebteste Genre: Knapp die Hälfte der regelmäßigen Hörer interessiert sich dafür.

Warum gerade diese Formate? Meine Erklärung: Man hängt mit Leuten ab, die man mag. Bei einem Laber-Podcast sitzt man quasi mit am Küchentisch. Man kennt die Running Gags, die Macken, die Freundschaft der beiden. Das ist wie ein Kumpel, der jeden Mittwoch vorbeikommt. Bei True Crime kommt die Spannung dazu, eine abgeschlossene Geschichte pro Folge, und man lernt nebenbei noch was über Recht und Psychologie. Und all diese Formate haben etwas gemeinsam: Sie erscheinen zuverlässig, Woche für Woche.

Schwer haben es dagegen Formate, die viel Aufwand brauchen und trotzdem austauschbar wirken: allgemeine Interview-Shows ohne klaren Dreh, Firmen-Podcasts, die eigentlich Werbung sind, und alles, was nur unregelmäßig kommt. Wenn eine Folge erst nach drei Monaten erscheint, hat man den Podcast längst vergessen.

Erst berühmt, dann Podcast?

Ich habe ja so eine Vermutung: Die meisten großen Podcaster waren vorher schon irgendwie bekannt. Und schaut man auf die Spitze, spricht einiges dafür. Bill und Tom Kaulitz kennt man seit „Durch den Monsun“. Felix Lobrecht hatte als Comedian schon ein Publikum, bevor er mit Tommi Schmitt „Gemischtes Hack“ startete. Der Podcast hat beide, würde ich sagen, noch einmal deutlich bekannter gemacht.

Es gibt aber auch die andere Richtung. Laura Wohlers und Paulina Krasa waren Fernsehjournalistinnen, als sie 2018 „Mordlust“ gestartet haben. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt waren sie nicht. Inzwischen füllen sie große Arenen: Ihre Live-Tour im November 2024 war über ein Jahr vorher ausverkauft, unter anderem in der Barclays Arena in Hamburg und der Olympiahalle in München. Ganz ohne Rückenwind ging es aber auch hier nicht: Eine Zeit lang wurde „Mordlust“ von Funk produziert, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

Mein Fazit dazu: Ganz von null wird man selten zum Podcast-Star. Fast immer gibt es ein Sprungbrett, eine Community, einen Sender, ein Netzwerk. Aber es geht, wenn das Format stimmt und man lange genug dranbleibt.

Immer mehr Podcasts – und die meisten schlafen ein

Jetzt zur anderen Seite. Die Suchmaschine Listen Notes zählt rund 3,7 Millionen Podcasts, die jemals gestartet wurden. Aktiv sind davon 2026 aber nur rund 391.000, also etwa elf Prozent. Fast neun von zehn Podcasts sind eingeschlafen, gelöscht oder abgeschlossen. In der Szene hat das sogar einen eigenen Namen: Podfading, das langsame Verschwinden eines Podcasts.

Und es wird auch nicht mehr so wild neu gestartet wie früher. Im Februar 2026 kamen laut Listen Notes rund 30 Prozent weniger neue Podcasts dazu als ein Jahr zuvor. Eine Zahl hat mich dabei besonders überrascht: Im selben Monat wurden 7.511 KI-generierte Podcasts aus der Datenbank entfernt. Da laufen offenbar ganze Fließbänder, die automatisch Podcasts ausspucken. Wer soll das alles hören?

Grafik mit 100 Kästchen, davon 11 farbig: Nur etwa 11 Prozent aller je gestarteten Podcasts sind aktiv
Nur etwa jeder neunte Podcast ist noch aktiv. Quelle: Listen Notes via Inside Radio, Grafik: felize.com

Die ehrlichste Zahl im Podcast-Business

Jetzt kommt die Zahl, die ich jedem zeigen würde, der mit einem Podcast anfangen will. Der Hosting-Anbieter Buzzsprout veröffentlicht regelmäßig, wie viele Downloads eine Folge in den ersten sieben Tagen bekommt. Stand Oktober 2026: Mit 28 Downloads gehört eine Folge schon zur oberen Hälfte aller Folgen auf der Plattform. Für die besten zehn Prozent braucht es 425 Downloads, für das oberste eine Prozent rund 4.700.

28. Das ist keine Turnhalle, das ist ein voller Bus. Für die einen klingt das frustrierend. Ich finde es eigentlich beruhigend. Wenn bei euch 50 Leute jede Folge hören, seid ihr schon weiter als die meisten. Und 50 Leute in einem Raum, die euch zuhören – das wäre ein ziemlich gelungener Abend, oder?

Balkendiagramm: Downloads in den ersten sieben Tagen für Top 50 Prozent (28) bis Top 1 Prozent (4.658)
So viele Downloads braucht eine Folge in der ersten Woche für die jeweilige Gruppe. Quelle: Buzzsprout (Stand Oktober 2026), Grafik: felize.com

Kann man davon leben?

Das Geld ist da, keine Frage. In den USA lagen die Podcast-Werbeumsätze 2024 laut IAB bei 2,43 Milliarden Dollar, ein Plus von gut 26 Prozent. 2025 waren es knapp 2,9 Milliarden. Gemessen an rund 295 Milliarden Dollar Online-Werbung insgesamt sind das trotzdem nur knapp ein Prozent.

In Deutschland gibt es keine eigene offizielle Zahl nur für Podcasts. Der Verband VAUNET weist Werbung in gestreamten Audioinhalten aus, Podcasts sind darin enthalten, aber eben nicht nur. Diese Umsätze sind von 60 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 120 Millionen Euro 2024 gewachsen, für 2025 rechnet der Verband mit 133 Millionen Euro. Das ist ein solides Wachstum, aber verglichen mit dem Gesamtwerbemarkt immer noch ein kleines Stück vom Kuchen.

Balkendiagramm: Netto-Werbeumsätze mit Instream-Audio in Deutschland von 60 Mio. Euro 2019 auf 133 Mio. Euro 2025 (Prognose)
Werbung in gestreamtem Audio, Podcasts inklusive. Quelle: VAUNET (Mai 2025), Grafik: felize.com

Und wo landet das Geld? Vor allem bei den großen Shows mit hoher Reichweite. Spotify hat nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2025 weltweit mehr als 100 Millionen Dollar an Podcaster ausgezahlt. Um beim Partnerprogramm mitzumachen, braucht man aktuell aber mindestens 3 Folgen, 2.000 gehörte Stunden auf Spotify und 1.000 Hörerinnen und Hörer in den letzten 30 Tagen. Das schaffen kleine Hobby-Podcasts kaum.

Es gibt aber einen zweiten Weg: die Hörerinnen und Hörer selbst. Laut Online-Audio-Monitor 2025 bezahlt etwa jeder Fünfte unter den regelmäßigen Hörern für Podcasts oder unterstützt Podcaster direkt, hochgerechnet rund 3,9 Millionen Menschen. Rund 60 Prozent sind grundsätzlich bereit, Geld auszugeben, vor allem für werbefreie Inhalte oder um ihre Lieblingsshow zu unterstützen. Dazu kommen Live-Shows, Merch und Kooperationen. Für die meisten bleibt ein Podcast trotzdem das, was er am Anfang war: ein Hobby, das im besten Fall ein bisschen was abwirft.

Warum so viele wieder aufhören

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, woran es meistens hängt. Erstens der Aufwand: Eine Stunde Gespräch bedeutet nicht eine Stunde Arbeit. Gäste finden, Termine abstimmen, aufnehmen, schneiden, Video, Thumbnail, Texte, Social Media. Da kommt pro Folge schnell ein Vielfaches der eigentlichen Gesprächszeit zusammen. Zweitens das fehlende Echo. Man steckt Herzblut rein, und dann kommen 28 Downloads. Dass das statistisch gesehen schon die obere Hälfte ist, weiß ja kaum jemand. Drittens das Geld: Es gibt keins, zumindest nicht am Anfang. Und viertens, ganz ehrlich, das Leben. Job, Familie, Umzug, und plötzlich ist die letzte Folge ein halbes Jahr her.

Dazu kommt der Druck, den die Plattformen machen. Video, Shorts, regelmäßiger Upload, sonst zeigt dich der Algorithmus nicht. Wer das alles allein stemmt, braucht einen langen Atem.

Mein Fazit: Hobby mit Herz oder Business

Ist der Podcast-Markt also gesättigt? Für Shows, die nur mitschwimmen, wahrscheinlich ja. Für Menschen mit einer echten Geschichte, einer klaren Idee und Lust aufs Durchhalten: nein. Die Zahlen zeigen ja sogar, dass wieder mehr Leute zuhören, und dass es gar nicht so viel braucht, um aus der Masse herauszuragen.

Für mich ist Edelreudig vor allem eins: eine Ausrede, mit spannenden Menschen stundenlang zu reden. Wenn dabei Geschichten herauskommen, die andere inspirieren, hat sich der Aufwand schon gelohnt. Und wenn irgendwann ein bisschen Geld reinkommt, sage ich auch nicht nein.

Was meint ihr: Braucht die Welt noch mehr Podcasts, oder einfach nur bessere? Reinhören könnt ihr jedenfalls jederzeit bei Edelreudig auf YouTube und Spotify.

Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen.
Edelreudige Grüße, euer Felix

Edelreudig hören und schauen

Alle Folgen: Edelreudig-Podcast auf felize.com
Passend dazu im Blog: Der Weg zum Guitar Hero

KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde überwiegend mit KI recherchiert und formuliert. Thema, Fragestellung und eigene Erfahrungen stammen von Felix Harsdorff. Alle Zahlen stammen aus den unten genannten Quellen, die Grafiken wurden auf dieser Grundlage erstellt.

Quellen

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Text von

Felix Harsdorff

Bilder von

Felix Harsdorff (Fotos), felize.com (Grafiken)

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