Bulli um jeden Preis: Drei Jahre für einen VW T1
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28.10.2026
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Bulli um jeden Preis: Drei Jahre für einen VW T1

Kevin Lampert hat für seinen Traum vom VW T1 Jahre investiert: Schweißen ohne Hebebühne, Wohnen in der Garage und eine Halle am Waldrand voller Ratten. Seine Geschichte aus dem Edelreudig-Podcast.

Manche Menschen kaufen sich ein Auto. Kevin Lampert hat sich einen Traum gekauft – und dafür ein paar Jahre seines Lebens gegeben. Kevin ist Musiker, Kreativkopf und Schrauber in einem, gelernter Kfz-Mechatroniker und ein Freigeist, der oft ein bisschen gegen den Strom denkt. Im Edelreudig-Podcast hat er mir erzählt, wie er einen alten VW-T1-Bus restauriert hat: in einer Schlosserei-Halle, in einer Garage in Bammental und schließlich in einer feuchten Halle am Waldrand im Odenwald, zwischen Ratten, Rost und Schweißfunken.

Der Moment, in dem alles anfing

Die Idee kam auf einer Gartenparty. Ein Kumpel von Kevin fuhr damals einen T3 mit Dieselmotor. Irgendwann am Abend war der Kumpel müde und hungrig, ging mit seiner Freundin in seinen Bus, kochte Nudeln mit Soße und machte gute Musik an. Kevin dagegen musste mit seiner Freundin zu Fuß ins nächste Dorf laufen. Spätestens da war für ihn klar: So einen Bus will ich auch. Schlafen, egal wo du bist – für Kevin war das die ultimative Freiheit.

Weil er nach eigener Aussage einen ziemlich exquisiten Geschmack hat, musste es natürlich ein T1 sein. Ein T2 gefiel ihm nicht. Heute sagt er mit einem Lachen: Für das Geld hätte er auch einen richtig guten T2 bekommen.

Rostige Karosserie eines alten VW-T1-Busses in einer staubigen Werkstatt, KI-generiertes Bild
So ähnlich muss man sich den Anfang vorstellen: eine rostige T1-Karosserie, an der schon viele herumgeschraubt haben. KI-generiertes Bild (Canva)

Ein Bus mit DDR-Vergangenheit

2011 suchte Kevin wochenlang bei eBay und fand tatsächlich einen T1 ganz in der Nähe. Das war die absolute Ausnahme, denn normalerweise standen die interessanten Busse weit weg. 5.000 Euro hat er bezahlt, damals ein Schnapper, weil der Bus noch komplett war. Andere wollten schon 7.000 Euro für ein bloßes Gerippe. Das Geld musste er trotzdem mit Ach und Krach zusammenkratzen.

Der Bus hat eine besondere Geschichte: Er war in der DDR zugelassen und wurde dort zum Campingbus umgebaut, mit Möbeln aus Pressspan, an denen man sich ständig den Kopf stieß. Ursprünglich war er tannengrün lackiert. Als Kevin mit dem Winkelschleifer den Lack entfernte, fand er eine riesige Schweißnaht über die komplette Front: Der Bus hatte offenbar mal einen Volltreffer vorne abbekommen. Außerdem hat er eine Schiebetür, die es damals nur als Sonderausstattung gab.

Der Vorbesitzer hatte ihn in den 90ern nicht mehr durch den TÜV bekommen. Danach stand der Bus ewig lang aufgebockt auf einem kleinen Metallwagen, damit die Achsen entlastet sind. Das eigentliche Problem waren aber die Reparaturen der vergangenen Jahrzehnte. Kevin vergleicht den Bus mit einer Zwiebel, an der schon viele Leute herumgemacht haben, um irgendwie wieder durch den TÜV zu kommen. Hätte er noch mal die Wahl, würde er sich lieber einen richtig schrottigen holen, bei dem man durch den Boden gucken kann. Den kann man wenigstens von Grund auf neu aufbauen.

Erste Station: die Schlosserei

Den ersten Platz zum Schrauben fand Kevin in einer Schlosserei, in einem Neubau, der noch nicht für den Betrieb genutzt wurde. Der Bus wurde mit einem Abschleppwagen geliefert, die Bremsen waren fest, die Räder drehten sich nicht. Kevin hat die Bremsen losgeknüppelt und den Bus irgendwie in die Ecke geschoben. Wie er das allein geschafft hat, weiß er selbst nicht mehr.

Ganz reibungslos lief es dort nicht. Miete wollte der Hausherr anfangs nicht nehmen, mit der Zeit gab es aber immer mehr Ärger, und irgendwann musste der Bus raus. Beim Rausschieben rollte er von allein auf die Straße und hätte um ein Haar Kevins damaligen Opel Ascona B getroffen. Erst Zentimeter vorher kam er zum Stehen.

Vier Freunde schieben einen alten VW-Bus ohne Motor über einen Feldweg, KI-generiertes Bild
Zu viert übers Feld: Die erste „Fahrt“ des Busses war eine Schiebeaktion. KI-generiertes Bild (Canva)

Zu viert übers Feld nach Bammental

Zum Glück hatte Kevin schon vorgesorgt: Ein Arbeitskollege vermietete ihm günstig eine Garage mit Grube in Bammental. Also schoben Kevin, seine damalige Freundin und zwei Freunde das Gerippe ohne Motor einfach dorthin, über einen schönen geteerten Feldweg. Ein Kumpel hatte ein CD-Radio dabei, es lief Guns N' Roses. Für Kevin war das eigentlich die erste Fahrt mit dem Bus, und sie war wunderschön. Nur ein BMW-Fahrer überholte auf dem kurzen Stück öffentlicher Straße gefährlich knapp. Zum Glück gibt es von dieser Aktion sogar Videoaufnahmen.

Ich kenne diese Garagen noch: vier nebeneinander in einem Hinterhof, dazu eine Waschküche, in der man duschen konnte.

Schweißen ohne Hebebühne

Was viele unterschätzen: Kevin hat fast alles ohne Hebebühne gemacht, auf dem Boden liegend. Einmal musste er mit einer großen Flex, die Scheibe so groß wie eine Schallplatte, im Liegen etwas am Rahmen rausschneiden. Die Scheibe verkantete und schlug zurück, fast an seinen Hals. Ein anderes Mal brannte seine Hose, und er merkte es erst, als es plötzlich nach Steak roch.

Schweißfunken unter einem alten VW-Bus auf dem Garagenboden, KI-generiertes Bild
Geschweißt wurde ohne Hebebühne, auf dem Boden liegend. KI-generiertes Bild (Canva)

Und billig war das alles auch nicht. Rechnet Kevin alles zusammen, Mieten, Werkzeug, Teile und den Bus selbst, kommt er auf mindestens 20.000 Euro. Demnächst kommen noch einmal rund 5.000 Euro für einen neuen Motor dazu.

Ganz ehrlich: Das ging auch an Kevin selbst nicht spurlos vorbei. Er hat sich damals fast nur noch in der Garage verkrochen und immer gesagt: Das Leben hole ich später nach. Es war auch privat keine leichte Zeit. Gleichzeitig war das die Geburtsstunde seiner melancholischen Lieder, und er griff so oft zur Gitarre wie nie zuvor.

Wohnen in der Garage

Weil Kevin sein ganzes Geld in den Bus und in Werkzeug wie Schweißgerät und Winkelschleifer gesteckt hatte, war eine teure Wohnung irgendwann nicht mehr drin. Also fragte er seinen Vermieter, ob er in der Garage wohnen darf. Er durfte. Den Sommer über hat er dort gelebt. Der Gemüseladen nebenan schenkte ihm Gemüse, das nicht mehr ganz frisch war. Gekocht hat Kevin auf zwei Kochplatten, die auf einem alten Werkzeugkasten aus den 50ern standen. Und seine Gasflaschen zum Schweißen holte er mit dem Fahrrad und einem Anhänger aus der Wirtschaftswunderzeit.

Lange ging das nicht gut. Es gab Ärger mit Nachbarn, und Kevin musste schon wieder umziehen.

Die Halle am Waldrand

Die dritte Station war eine große Halle am Waldrand im Odenwald, die ein Freund von Kevin nutzte. Daneben rauschte der Finkenbach. Wenn es regnete, kam das Wasser vom Hang durch die Wand, und Kevin baute sich mit einem Schlauch eine Art Staudamm, um es abzuleiten. Rundherum standen alte Opel: GT, Manta A, Kadett C und noch einiges mehr. Kevin ist nämlich nicht nur Bulli-Fan, sondern auch ein echter Opel-Freak.

Alte Werkstatthalle am Waldrand mit Bach in der Dämmerung, darin ein VW-Bus und alte Autos, KI-generiertes Bild
Die dritte Station: eine feuchte Halle am Waldrand, direkt am Bach. KI-generiertes Bild (Canva)

Für Kevin war das trotzdem die beste Zeit. Nachts grunzten draußen die Wildschweine. Einmal ging er im Dunkeln zur Quelle, um Wasser zu holen, und plötzlich schnaufte ihn ein Hirsch mit riesigem Geweih an. In dieser Halle hat er seine Liebe zur Natur entdeckt.

Die Natur kam ihm allerdings manchmal näher, als ihm lieb war. Ratten, Mäuse, Siebenschläfer: Eines Nachts wachte Kevin im Bus auf, weil vor seinem Gesicht eine Ratte saß und seine rohen Nudeln fraß. Und als er einmal E-Gitarre mit Wah-Wah-Effekt spielte, standen plötzlich Enten vor der Tür. Vermutlich dachten sie, da drin sitzt irgendwer von ihnen.

Der Motor läuft

2014 war es dann so weit: Der Bus lief zum ersten Mal. Kevin hatte sich bewusst für einen Käfermotor entschieden, der noch bis Anfang der 2000er-Jahre im Ausland gebaut wurde, mit Einspritzanlage und Katalysator statt Vergaser. Als jemand, der auf die Umwelt achtet, wollte er die Abgase nicht ungefiltert in die Luft blasen. Den Kabelbaum hat er dafür selbst umgebaut, anhand von seitenlangen Plänen, auf denen kaum etwas zusammenpasste. Wie er das hinbekommen hat, weiß er bis heute nicht genau.

Die erste Runde drehte er auf einem großen Parkplatz in der Nähe. Funktioniert haben nur der erste Gang und der Rückwärtsgang. Das Problem war der originale Schalthebel, mit dem man laut Kevin mehr rührt als schaltet. Später hat er sich einen gefrästen Schalthebel aus Aluminium besorgt, der nur noch geradlinige Bewegungen zulässt. Seitdem gehen die Gänge vernünftig rein.

Zum TÜV ging es mit dem Anhänger. Natürlich fiel dort erst mal die Lichtanlage aus. Am Ende hatte Kevin aber einen T1 mit TÜV und Zulassung. Lackiert hat ihn ein Profi: unten Blau mit Metalflakes, oben Cremeweiß.

Eine große Hilfe war in all den Jahren ein VW-Spezialist für luftgekühlte Motoren aus der Gegend, der Käfer und Bullis repariert hat. Wann immer Kevin nicht weiterwusste, ist er zu ihm gegangen. Inzwischen ist er leider verstorben, und Kevin vermisst ihn sehr.

Mit dem T1 aufs Festival

Eine der ersten großen Fahrten ging zu einem Festival im Odenwald – Kevin meint, es war das Finkenbach-Festival. Es regnete, der Bus blieb im Schlamm stecken und musste vom Traktor rausgezogen werden. Bei anderen Gelegenheiten kam er dagegen dort durch, wo alle anderen stecken blieben. Der Grund: Der Motor sitzt hinter der Hinterachse und drückt mit seinem Gewicht aufs Heck. Dazu kommen die Vorgelege an den Hinterrädern: Die Hinterachse entspricht der des Kübelwagens.

Restaurierter VW T1 in Blau und Cremeweiß auf einer Festivalwiese, KI-generiertes Bild
Unten Blau mit Metalflakes, oben Cremeweiß: So ähnlich sieht Kevins T1 heute aus. KI-generiertes Bild (Canva)

Wer den T1 heute sieht, denkt meist an Hippies und Strandurlaub. Gebaut wurde er in Deutschland aber ab 1950 als Lastesel des Wirtschaftswunders. Die Idee geht auf eine Skizze des niederländischen VW-Importeurs Ben Pon aus dem Jahr 1947 zurück. Nach heutigen Maßstäben wäre der Bus kaum noch zulassungsfähig, sagt Kevin: Man sitzt ganz vorne vor der Vorderachse, das Lenkrad steht fast senkrecht, und der Tank schwappt in Kurven über. Wie viel er genau verbraucht, hat Kevin nie ausgerechnet. Er schätzt 14 bis 16 Liter.

Übrigens: Kevins Opa hatte auch einen T1. Für ihn war es sein bestes Auto. Leider hat er ihn irgendwann dem Schrotthändler mitgegeben.

Und heute?

Den Innenraum hat Kevin über die Jahre immer weiter verbessert. Er hat die Sitze neu polstern lassen und einen Flip-Seat eingebaut, bei dem man die vordere Sitzbank so drehen kann, dass man mit Freunden gemütlich am Tisch sitzt. Heute würde er einen Durchgang nach hinten einbauen, damit er nicht jedes Mal aussteigen muss. Denn sobald er aussteigt, kommen die Leute: Ist das ein T2? Ist der viel wert? Diese Benzingespräche hängen ihm inzwischen ziemlich zum Hals raus.

Wenn er nicht so viel Arbeit in den Bus gesteckt hätte und er ihm nicht so viel bedeuten würde, würde er sich wahrscheinlich sogar von ihm trennen. Heute ist Kevin eher mit dem E-Bike und dem Zug unterwegs. Ein großer Traum bleibt aber: einmal die alte Hippie-Route fahren. Dafür bräuchte es allerdings noch einen Sponsor, der den Sprit bezahlt.

Ich fände es übrigens großartig, wenn Kevin aus all seinen Fotos und Videos irgendwann einen Vortrag über die Restaurierung macht. Einen Teil davon baut er schon heute in seine Musikvideos ein. Über seine Musik wollen wir in einer eigenen Folge sprechen.

Was ich aus dem Gespräch mitnehme: Hinter jedem schön restaurierten Oldtimer, den man auf der Straße sieht, stecken oft Jahre voller Rückschläge, Schrammen und Verzicht. Wer die ganze Geschichte in Kevins eigenen Worten hören will, findet die komplette Folge direkt hier unten.

Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen.
Edelreudige Grüße, euer Felix

Die ganze Folge

Das komplette Gespräch hört ihr im Edelreudig-Podcast, Folge #10 „Bulli um jeden Preis“, aufgenommen am 23. November 2023 (Länge: 1:22 Stunden).

Auf YouTube: Bulli um jeden Preis
Auf Spotify: Bulli um jeden Preis
Alle Folgen: Edelreudig-Podcast auf felize.com

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KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Grundlage des Podcast-Gesprächs überwiegend mit KI formuliert. Grundlage war das automatische Transkript der Folge, Aussagen sind sinngemäß wiedergegeben. Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generiert (Canva) und zeigen nicht Kevin, seinen Bus oder die tatsächlichen Orte, sondern illustrieren die Geschichte.

Mehr Infos:

Hintergrund

VW T1 auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/VW_T1

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Text von

Felix Harsdorff

Bilder von

KI-generierte Bilder (Canva)

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