Aussteiger auf Zeit: Fünf Monate in Andalusien
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27.10.2026
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Aussteiger auf Zeit: Fünf Monate in Andalusien

Dennis hat fast alles aufgegeben und ist mit einem alten VW T4 nach Andalusien gefahren. Fünf Monate Aussteigerleben bei Órgiva – und eine Erkenntnis, mit der er nicht gerechnet hat.

Einfach mal raus in die Welt. Wer hat sich das nicht schon mal gedacht? Dennis hat es gemacht, und zwar ziemlich spontan. Er hatte sich in Kassel eigentlich alles aufgebaut, hat dann fast alles aufgegeben, nur noch eine kleine Wohnung behalten und ist mit einem alten VW T4 Richtung Spanien gedüst. Für ihn hat sich das angefühlt wie Weihnachten. Fünf Monate ist er geblieben.

Heute ist Dennis wieder in Deutschland. Und genau darüber wollte ich mit ihm reden: Wie ist so ein Leben wirklich? Und warum ist er zurückgekommen?

Aufbruch ins Ungewisse

Ganz neu war das Thema für Dennis nicht. Er hatte vorher schon zwei Jahre als Selbstversorger gelebt und im Odenwald ausprobiert, wie sich Leben in einer Gemeinschaft anfühlt. Genau das wollte er in Spanien noch mal erleben, nur anders und in einem anderen Land: eine Gemeinschaft, in der jeder gibt, was er kann, und in der immer Hilfe da ist. Wie lange er bleiben würde, stand am Anfang noch gar nicht fest.

Allein wäre er nach eigener Aussage nie losgefahren. Unterwegs war er damals zu viert, mit seiner damaligen Partnerin und zwei Kindern. Finanziert hat er das Ganze mit dem Bargeld, das übrig war, nachdem er in Deutschland fast alles aufgegeben hatte. Ein Auto zum Schlafen, genug Cash in der Tasche, fertig war der Plan.

Eine Woche im T4

Der Bus war alt, aber richtig gut gepflegt. Eine Woche hat die Fahrt gedauert, wobei sie nicht jeden Tag voll durchgefahren sind. Als sie in Spanien ankamen, hat Dennis ehrlich gedacht: Der geht jetzt über alle Berge. Der T4 hat schon ordentlich gemeckert. Aber er hat durchgehalten.

Und Platz? Gab es kaum. Jeder hatte sein Reisegepäck dabei, geschlafen haben alle vier nebeneinander auf der umgeklappten Rückbank. Kein Hochdach, null Privatsphäre. Ein riesiges Zelt aus reiner Baumwolle hatten sie zwar auch dabei, aber so ein Ding baut man nicht einfach mal so auf. Dafür braucht es einen richtig guten Platz und gutes Wetter. Zu viert im Bus, ein, zwei Wochen lang, das kann man machen, sagt Dennis. Aber nicht auf Dauer.

Innenraum eines alten VW-Busses mit umgeklappter Rückbank als Bett, KI-generiertes Bild
Schlafen zu viert auf der umgeklappten Rückbank: viel Platz bleibt da nicht. KI-generiertes Bild (Canva)

Ankommen bei Órgiva

Zum Glück ging die Suche nach einem Platz schnell. Seine damalige Partnerin kannte die Gegend schon von zwei früheren Aufenthalten. Das Ziel: Órgiva, in der Nähe von Granada, und ein Tal ganz in der Nähe, in dem viele Aussteiger leben. Viele Deutsche hat Dennis dort kennengelernt. Es gab einen freien Platz, auf dem man ohne Anmeldung sein Zelt aufschlagen konnte, zumindest bis es zu voll wurde. Dennis nennt ihn die Rainbow-Terrasse.

Kontakte knüpfen ging dort richtig schnell. Weil viel Englisch und Deutsch gesprochen wurde, musste man nicht mal fließend Spanisch können. Nach zwei Monaten hatte Dennis schon einige Leute, bei denen er vorbeischauen konnte. Man traf sich meistens einmal pro Woche in kleinen Runden auf den Grundstücken, saß zusammen und hat Musik gemacht. Dazu kamen Backpacker, die gerade durchreisten. Alles lag weit verstreut, aber man hat viele Leute kennengelernt, ganz ohne Technik.

Menschen sitzen abends am Lagerfeuer auf einer Terrasse in den Bergen, jemand spielt Gitarre, KI-generiertes Bild
Man traf sich in kleinen Runden, saß zusammen und hat Musik gemacht. KI-generiertes Bild (Canva)

Alltag zwischen Fluss und Quelle

Jetzt wird es spannend, denn so ein Leben klingt romantischer, als es ist. Waschwasser holte man am Fluss. Die Wäsche wurde einmal pro Woche in zwei Wannen gewaschen, natürlich mit Flusswasser. Sich selbst hat man damit auch gewaschen. Trinkwasser gab es an einer Quelle, die weit weg lag und nur mit dem Auto zu erreichen war. Also nahm man jede Menge Kanister mit, damit das Wasser für Wochen reicht.

Gekocht wurde in einer selbst aufgebauten Outdoor-Küche mit Gasherd, als Toilette gab es eine Komposttoilette. Ich musste dabei sofort an ein Festival denken: halb Chaos, halb organisiert, ein bisschen shabby. Dennis meint: Genau so war es. Man hat zwar eine Menge Geld gespart, aber es war ein hartes Leben.

Einfache Outdoor-Küche mit Gasherd, Wasserkanistern und Waschwannen vor einem Baumwollzelt, KI-generiertes Bild
Alltag ohne Wasseranschluss: Outdoor-Küche, Kanister und Waschwannen. KI-generiertes Bild (Canva)

Und ganz ohne Supermarkt ging es trotzdem nicht. Allein für den Weg dorthin hat Dennis teilweise eine Dreiviertelstunde gebraucht. Mit einem 50-Liter-Rucksack, in der Hitze, und er war der Einzige, der schleppen konnte. Donnerstags gab es in Órgiva meistens einen großen Markt, auf dem Obst und Gemüse kostenlos abgegeben wurde. Manchmal war es so viel, dass man nichts liegen lassen wollte. Dann hatte Dennis den vollen Rucksack auf dem Rücken und noch eine Kiste unter dem Arm. Nur: Wie viel es gibt, wusste man vorher nie. Und allein davon kommt man mit vier Leuten nicht über die Runden.

Obst- und Gemüsekisten auf einem Markt in einem weißen Bergdorf, daneben ein großer Rucksack, KI-generiertes Bild
Donnerstags gab es in Órgiva meistens einen großen Markt. KI-generiertes Bild (Canva)

Wenn das Geld knapp wird

An dieser Stelle wird Dennis ziemlich nachdenklich. Viele kommen mit einer rosaroten Brille an, er selbst übrigens auch. Er dachte, das wird alles ganz easy. Aber ohne Einkommen geht das nur eine Zeit lang gut. Er hat eine Woche in einem Café gearbeitet, für 8 Euro die Stunde. Davon leben? Keine Chance. Und wer kein fließendes Spanisch spricht, hat es auf dem Arbeitsmarkt schwer, egal, was er in Deutschland mal gelernt hat.

Unter den Deutschen gab es ein bisschen das Gefühl einer Parallelgesellschaft. Wer gut Englisch spricht, kommt auch mit Spaniern zusammen, die Englisch können, aber das sind nicht so viele. Und weil bei vielen das Geld immer knapper wurde, hat jeder irgendwie sein eigenes Süppchen gekocht. Echte Freundschaften, sagt Dennis, hat er dort nicht gefunden. Eher Bekanntschaften.

Hängen geblieben ist mir auch, was er über Wasser erzählt hat. In der Gegend ist Wasser das höchste Gut. Man zahlt monatlich dafür, sein Grundstück zu versorgen, und ein Grundstück ohne Wasserzugang ist praktisch tot. Und auch die Autos leiden: Die Straße ins Tal ist so schlecht, dass irgendwann fast jeder Wagen etwas abbekommt.

Ich musste an die frühen Folgen von „Goodbye Deutschland“ denken, in denen Familien mit sehr wenig Geld nach Spanien gegangen sind. Dennis sagt dazu ganz klar: zum Scheitern verurteilt.

Dazu kam: Nicht alles, was dort gelebt wurde, war seins. Auf dem Platz gab es auch Spannungen, und bei vielen Menschen hat ihm die Klarheit gefehlt, die er eigentlich gesucht hatte. Irgendwann wollte er einfach nur noch raus.

Mandeln, Granatäpfel und Johannisbrot

Bereut er die Zeit? Nein. Und das hat viel mit der Natur zu tun. Vom Frühjahr bis zum Herbst kann man dort Mandeln sammeln, dazu Granatäpfel. Und Dennis hat das Johannisbrot kennengelernt, das er vorher gar nicht kannte. Sieht aus wie eine getrocknete Riesenbohne und ist, sagt er, total lecker. Draußen sein, etwas ganz anderes kennenlernen: Das war schön.

Reife Johannisbrot-Schoten an einem Baum in Südspanien, KI-generiertes Bild
Johannisbrot: sieht aus wie eine getrocknete Riesenbohne. KI-generiertes Bild (Canva)

Und noch etwas hat er mitgenommen. Die fünf Monate haben ihm gezeigt, wie stark er ist und was für eine Überlebensmentalität er entwickeln kann. Vor allem aber haben sie ihm beigebracht, wertzuschätzen, was er hier hat.

Was Dennis euch mitgeben möchte

Wenn ihr mit so einem Gedanken spielt, hat Dennis ein paar ehrliche Tipps:

  • Fahrt nicht einfach aus dem Nichts los, nur mit der Idee, dort ein neues Leben anzufangen. Macht euch einen Plan.
  • Rechnet damit, dass ihr eine Menge Geld verliert. Und dass euer schönes Auto etwas abbekommt.
  • Bringt eine starke Mentalität mit.
  • Klar, man kann sich eine Finca für 100 Euro im Monat mieten oder für zwei Jahre pachten und eine schöne Zeit haben. Aber viele Gemeinschaften dort sind voll und nehmen niemanden mehr auf, und nicht alles ist so, wie es auf den Webseiten angepriesen wird.
  • Schaut euch genau an, ob der Ort, an den ihr wollt, wirklich alles hat, was ihr zum Leben braucht. Auch für die Zukunft.

Zurück und dankbar

Am meisten vermisst hat Dennis seine Freundschaften. Dass er sich hier schnell bewegen kann. Und dass er nicht ständig im Überlebensmodus sein muss. Warum jeden Tag für ein bisschen Wasser und Brot ackern, wenn es auch einfacher geht?

Zurückgekommen ist er mit null Euro. Und trotzdem hat er in den ersten Tagen Kleidung, Essen, ein Dach über dem Kopf und ein Bett bekommen. Für Dennis ist das der Zusammenhalt, den er hier wiedergefunden hat, und er ist richtig dankbar dafür.

Ich finde das Thema Gemeinschaft übrigens auch total spannend, gar nicht unbedingt als meinen eigenen Lebensentwurf. Aber früher haben Menschen ganz selbstverständlich in Gruppen von 50 oder 100 Leuten zusammengelebt. Und es gibt auch hier schon viele tolle Projekte, Tiny-House-Siedlungen oder Kommunen. Ein paar davon will ich mir in Zukunft auf jeden Fall mal anschauen.

Hättet ihr jede Woche den 50-Liter-Rucksack geschleppt, nur für ein Stück Freiheit? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange ich das durchgehalten hätte. Wer die ganze Geschichte in Dennis' eigenen Worten hören will, findet die komplette Folge direkt hier unten.

Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen.
Edelreudige Grüße, euer Felix

Die ganze Folge

Das komplette Gespräch hört ihr im Edelreudig-Podcast, Folge #9 „Aussteiger – Hippieleben in Spanien“, aufgenommen am 13. Februar 2024 in Heidelberg (Länge: 59 Minuten).

Auf YouTube: Aussteiger – Hippieleben in Spanien
Auf Spotify: Aussteiger – Hippieleben in Spanien
Alle Folgen: Edelreudig-Podcast auf felize.com

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KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Grundlage des Podcast-Gesprächs überwiegend mit KI formuliert. Grundlage war das automatische Transkript der Folge, Zitate sind sinngemäß wiedergegeben. Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generiert (Canva) und zeigen nicht Dennis oder die tatsächlichen Orte, sondern illustrieren die Geschichte.

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Text von

Felix Harsdorff

Bilder von

KI-generierte Bilder (Canva)

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