Mit der Enduro nach Kapstadt: Simons Reise durch Afrika
Ein halbes Jahr, rund 25.000 Kilometer und etwa 5.000 Euro: Simon Grün ist mit seiner Enduro von Heidelberg bis ans Kap der Guten Hoffnung gefahren. Seine Geschichte aus dem Edelreudig-Podcast.
Die ersten Worte, die ich von Simon Grün gehört habe, waren: „In zwei Wochen übernehme ich hier den ganzen Laden.“ Das war am Anfang unserer Ausbildung im Gartenbau. Den Betrieb hat am Ende dann doch jemand anderes übernommen, aber Simon ist sich treu geblieben: Wenn er sich etwas vornimmt, zieht er es durch. Im Edelreudig-Podcast hat er mir erzählt, wie er von Dezember 2015 bis Mai 2016 mit seiner Enduro von Heidelberg bis ans Kap der Guten Hoffnung gefahren ist – allein, mit kleinem Budget und ohne zu wissen, worauf er sich einlässt.
Simon ist leidenschaftlicher Radsportler, hat nach der Ausbildung Landschaftsarchitektur studiert und direkt danach angefangen zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit merkte er: Da fehlt noch etwas. Er hatte bis dahin vor allem Mittel- und Südeuropa gesehen und war nie der große Fernreisende. Zuerst dachte er an eine Radreise, dann fiel ihm seine Enduro ein, eine KTM LC4 640, Baujahr 2001. Der alte Traum: einmal mit dem Motorrad nach Marokko.
Je länger er auf die Karte schaute und Reiseberichte las, desto weiter wanderte sein Finger nach Süden: Westsahara, Mauretanien, immer weiter die Westküste hinunter. Ein halbes Jahr hatte er Zeit, bevor er eigentlich noch seinen Master machen wollte. Irgendwann war er in Gedanken in Kapstadt angekommen. Also bekam die KTM Koffer, Kofferträger, Tankrucksack und einen größeren Tank – und los ging es.
Besonders beeindruckt hat mich das Budget. Für rund 25.000 Kilometer bis Kapstadt hat Simon ungefähr 1.500 Euro für Sprit ausgegeben und etwa 1.300 für Visa. Mit Ausrüstung und allem drumherum kam er nach eigener Rechnung auf ungefähr 5.000 Euro, das Motorrad nicht eingerechnet. Ich hätte eher mit 20.000 gerechnet. Sein Geheimnis: Zelt, Verpflegung vom Markt und ein sehr genügsamer Reisestil. Für ihn ist das keine Sparübung, sondern eine Haltung. Er will Menschen nicht mit dem Geldbeutel begegnen, sondern als Person – und genau so kommt er mit ihnen ins Gespräch.

Losgefahren ist Simon zwei Tage vor Weihnachten. Der Grund: Eine gute Freundin aus Jugendtagen war in Barcelona und flog am 24. Dezember nach Hause. Noch in der letzten Nacht reparierte er einen kleinen Defekt, ging um drei Uhr ins Bett und fuhr um fünf Uhr los. Er gibt offen zu, dass er sich in dem Moment, als er das schwer beladene Motorrad zum ersten Mal bewegte, ziemlich in die Hose gemacht hat. Nach rund 17 Stunden kam er in Barcelona an. Ein paar Stunden Wiedersehen, ein kurzer Sprung ins eiskalte Mittelmeer, dann ging es weiter über Valencia nach Tarifa und mit der Fähre über die Straße von Gibraltar.
Erst auf afrikanischem Boden spürte er: Jetzt geht es wirklich los. Die erste Nacht verbrachte er im Dunkeln hinter einem Busch in Nordmarokko. Als er nachts aufwachte, schauten ihn zwei Augen an – ein angebundener Esel. Am Morgen stellte sich heraus, dass sein Busch direkt an einem Weg lag, auf dem die Schulkinder vorbeikamen.
Marokko war für Simon die erste Begegnung mit einer ganz anderen Kultur, und er hat sie schnell lieben gelernt. Kaum stand das Motorrad irgendwo, kamen Menschen, fragten, wo er hinwill, und luden ihn ein. Einmal folgte er Fremden durch immer engere Gassen bis in eine Wohnung im dritten Stock, wo schon gekocht wurde. Er durfte sich waschen, essen und übernachten. Mit knapp zwei Metern Größe und blonden Haaren fiel er überall auf. Verstecken war unmöglich, aber genau das hat ihm viele Türen geöffnet.
Hinter Mauretanien, Senegal und Mali kam Burkina Faso. Auf einer Schotterpiste blockierte das Vorderrad, das Motorrad kippte zur Seite und der Koffer landete auf seinem Sprunggelenk. Tagelang humpelte er weiter. In Bobo-Dioulasso sprach ihn ein Mann an, nahm ihn mit auf seinem Moped durch die Stadt, kaufte einen Hahn – „weil ich ja männlich bin“ – und brachte ihn zu seiner Tante in ein Dorf. Aus dem Tier braute sie eine Paste und massierte damit das Gelenk, bis Simon nach eigener Aussage das ganze Dorf zusammenschrie. Ob es geholfen hat, weiß er bis heute nicht genau. Er hatte jedenfalls das Gefühl, danach beweglicher zu sein, und konnte nach ein paar Wochen wieder normal laufen.

Der vielleicht emotionalste Moment kam in der Demokratischen Republik Kongo. Simon hatte falsches Geld gewechselt, kein Essen, kein Wasser und keine SIM-Karte mehr, der Sprit reichte gerade noch bis zur nächsten Stadt. Dann riss der Kupplungszug. Ein Mann, den er auf dem Boot kennengelernt hatte, hielt an und half. Gemeinsam schoben sie das Motorrad in der Dämmerung über einen Fußweg in ein Dorf im Wald. Der Dorfchef erlaubte ihm zu übernachten, am nächsten Morgen suchte jemand Ersatzteile, und mit ein paar Handgriffen, einer Zange und etwas Tricksen lief die KTM wieder. Simon sagt, er sei in diesem Moment so tief in die Welt um ihn herum eingetaucht wie selten.
Es gab auch unangenehme Situationen: ein falsches Boot, auf dem eine Gruppe junger Männer Geld verlangte, ein Soldat, der ihm mit dem Gewehr eine Delle in den vorderen Kotflügel schlug, weil er ihn nicht in der Nähe einer Präsidenten-Zeremonie haben wollte. Die Delle ist bis heute drin. Und in Namibia leuchteten nachts Augen in der Dunkelheit, vermutlich von einer Raubkatze. Simon machte Lärm, schlug auf seine Koffer und aß sehr schnell zu Ende.
Ausgerechnet kurz vor dem Ziel, in der Nähe von Kapstadt, wurde es noch einmal brenzlig. Simon war inzwischen mit Martin unterwegs, einem Motorradreisenden aus Tschechien. Nachts machten sich zwei Männer an Martins Motorrad zu schaffen, einer kam mit einem kleinen Messer auf Simon zu. Der musste so dringend pinkeln, dass er ihn erst einmal um einen Moment Geduld bat. Als Martin aufwachte, rannte auch der zweite Mann davon. Kamera und GPS-Tracker waren weg. Mit Hilfe des Trackers, der Polizei und eines Bekannten vor Ort tauchte das meiste in den folgenden Tagen wieder auf. Nur die Actioncam blieb verschwunden.
Wenn Leute ihm sagen, da habe er aber Glück gehabt, widerspricht Simon: Er habe nicht jeden Tag Glück gehabt, sondern einfach kein Pech. Diese Sicht gefällt mir sehr.

Die KTM kam zusammen mit Martins Motorrad per Kiste von Kapstadt nach Hamburg zurück, deutlich günstiger als mit einem Komplettservice. Simon hat sie danach komplett überholt. Mit seiner Freundin Lena war er später mit dem Fahrrad im Kongo und in Namibia unterwegs. Lena machte daraufhin selbst den Motorradführerschein und startete Anfang 2020 Richtung Afrika – bis Corona im Senegal kurz vor der Grenze zu Mali alle Grenzen schloss. Ihr Motorrad steht seitdem in Dakar und wartet auf die Fortsetzung. Simon selbst plant eine lange Radreise ohne festes Ziel und ohne Zeitrahmen, und irgendwann soll auch noch ein Defender auf große Fahrt gehen.
Zum Schluss wollte ich wissen, was er Menschen mitgibt, die von so einer Reise träumen. Seine Antwort: Das Schwierigste ist nicht die Planung und auch nicht die Entscheidung, sondern der Moment, in dem man wirklich losfährt. Wir leben in einem extrem abgesicherten Umfeld und bekommen deshalb schnell Angst vor allem, was wir nicht vorhersehen können. Dabei kann man, nüchtern betrachtet, gar nicht so tief fallen. Ein bisschen Angst loslassen, Freiheit zulassen und auf das eigene Gefühl hören – mehr braucht es oft nicht.
Wer die ganze Geschichte in Simons eigenen Worten hören will, findet die komplette Folge direkt hier unten. Es lohnt sich, sie ist voller Anekdoten, für die hier kein Platz war.
Und ihr wisst ja: Nur wer normal ist, kann durchdrehen.
Edelreudige Grüße, euer Felix
Das komplette Gespräch hört ihr im Edelreudig-Podcast, Folge #8 „Motorradtour von Heidelberg nach Südafrika“, aufgenommen am 12. Mai 2023 in Heidelberg (Länge: 1:55 Stunden).
Auf YouTube: Motorradtour von Heidelberg nach Südafrika
Auf Spotify: Motorradtour von Heidelberg nach Südafrika
Alle Folgen: Edelreudig-Podcast auf felize.com
KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Grundlage des Podcast-Gesprächs überwiegend mit KI formuliert. Grundlage war das automatische Transkript der Folge, Aussagen sind sinngemäß wiedergegeben. Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generiert (Canva) und zeigen nicht Simon, sein Motorrad oder die tatsächlichen Orte, sondern illustrieren die Geschichte.
Text von
Felix Harsdorff
Bilder von
KI-generierte Bilder (Canva)
Du hast es geschafft, anscheinend bist du interessiert. Während meiner Recherche habe ich passende Empfehlungen für dich zusammengestellt.
*Die gezeigten Produkte sind passende Empfehlungen zur Geschichte, sogenannte Affiliate Links. Qualität, Nutzen und Transparenz ist mir wichtig. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.